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Filmindustrie in Kapstadt
Filmfieber am Kap
Afrika ist das Traumziel vieler Urlauber und für die Traumfabriken der Welt, das derzeit interessanteste Ziel. Das Kap entwickelt sich seit Jahren zu einem Lieblingsdrehort der Filmbranche und rangiert weltweit unter den Top 5 der Cineasten.
"Die ganze Welt in einem Land" ist nicht nur einer der treffendsten Slogans der südafrikanischen Tourismusindustrie, sondern der Grund, weshalb neben den exzellenten Wetterbedingungen speziell auch deutsche Filmproduzenten und Fotografen immer häufiger ans andere Ende der Welt reisen. Ob Autos oder Brandy, Airline Werbung oder Bank Commercials, ob Peru, Mittelmeer oder friesisches Dorf - am Kap wird mit der richtigen Dekoration schnell fast jeder Ort der Welt „erschaffen“. Einer Vorteil für die deutsche Branche ist die komplementäre Jahreszeit: wenn im grauen europäischen Winter die TV Spots fürs kommende Frühjahr geplant werden, kann am sonnigen Kap der Sommer auf Zelluloid gebracht werden.
Das am rasantesten wachsende und lukrativste Segment der südafrikanischen Filmindustrie ist ohne Frage die Werbespot Produktion. Zahlen schwanken zwischen 450-750 Commercials pro Jahr allein in Kapstadt.
Südafrika ist als Filmdrehort und Fotomotiv für internationale Produktionen bekannt. Speziell Cape Town ist die „BoomTown“ der Branche und der Hauptdrehort der Nation; Gauteng der Ort an dem Studios mit umfangreichen Postproduktionsmöglichkeiten ansässig sind. Doch auch dies wandelt sich mehr und mehr, seitdem in Kapstadt große Studios in Planung sind.
In den letzten Jahren wurden ebenfalls Französische, Britische, Amerikanische, Belgische, Italienische und Skandinavische TV Spots im Land inszeniert. Der Gesamtwert der bisher produzierten Commercials in Südafrika wird auf 2 Billionen Rand geschätzt. Mit einem jährlichen Umsatz von ca. 250 Mio Euro gilt die Filmindustrie als boomender Wirtschaftszweig. Aber auch großes Kino, wie der Hollywood Mainstream Film "Lord of War" mit Nicholas Cage entstanden ebenso am Kap, wie die „Nibelungen“ Verfilmung des Hollywood Regisseurs Uli Edel deutscher Herkunft. So kämpfte Siegfried im sonnigen Umland Kapstadts oder für Trickaufnahmen vor einer gigantischen Blue-Screens in lokalen Studios. In der Nachbearbeitung des Films wurden Bergmassive und beeindruckende Landschaften an der Kaphalbinsel ergänzt.
Südafrikanisches Kino im Aufwind
Auch der einheimische Kinomarkt kann sich sehen lassen:
2005: Erstmals in der südafrikanischen Filmgeschichte wurde der Film "Yesterday" - der erste in Spielfilmlänge produzierte Film von isiZulu film - in der Kategorie - Bester fremdsprachiger Film - mit dem Academy Award nominiert. "Hotel Rwanda" eine südafrikanisch / britisch / italienische Koproduktion bekam ebenfalls drei Oscar Nominierungen, für Don Cheadle als "Bester Hauptdarsteller", Sophie Okonedo für die "Beste Nebenrolle" und für das "Beste Original Drehbuch".
2006: Gerade jetzt kommt der südafrikanische Township-Film Tsotsi in die deutschen Kinos. Tsotsi, basiert auf einer dramatischen Geschichte aus den Townships von Johannesburg, inszeniert vom Regisseur Gavin Hood,der für den Streifen den Oscar für den besten ausländischen Film 2006 erhielt. Der Film erzählt die Geschichte des 19jährigen Tsotsi (Presley Chweneyagae), der mit seiner Gang regelmäßig kaltblütige Gewalttouren unternimmt. Raub und Mord sind das Tagesgeschäft der Bande. Als beim Autodiebstahl plötzlich ein Baby auf dem Rücksitz des gestohlenen Wagen schreit, wird Tsotsi mit den bitteren Folgen seiner nächtlichen Überfälle konfrontiert und die Geschichte nimmt eine dramatische Wendung.
Südafrika entdeckt Finanzkraft der Filmindustrie
Der Southern African Film and Television Market (SITHENGI) findet jährlich zumeist im November statt und bringt rund 1200 Branchenkenner von Afrika, Europa und Nord Amerika an die Südspitze des Kontinents. Film screenings, das sind Filmvorführungen für Einkäufer und Händler, aber auch Seminare stehen auf dem Programm. Eine ebenfalls wichtige Veranstaltung der Filmindustrie ist das Cape Town World Film Festival welches zeitnah zum Filmmarkt jährlich stattfindet. Hier haben Indepentent Film & Newcomer eine Chance ihre Filme einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Ohne Frage bieten besonders Kapstadt und Umgebung enorme Reize, dank unterschiedlicher Architektur und Landschaften. Ironischerweise liegen durch die starke Kluft zwischen Arm und Reich, viele Drehorte in strategischer Nähe zueinander: Townships unweit von luxuriösen Shopping Malls. Farmarbeiter neben Golfspielern . Neben den klassischen Motiven wie den tierreichen Nationalparks sind märchenhafte Kulissen wie Sun City / Lost City schon oft abgelichtet worden.
Die Stadtverwaltung von Kapstadt versucht zunehmend den Filmcrews die Organisation von Projekten zu erleichtern. City of Cape Town, South Peninsula Municipality und National Parks Board haben eigene Ansprechpartner die bei Drehgenehmigungen, Strassensperren und Verkehrsumleitungen weiter helfen. Dennoch ist die Organisation einer Filmproduktion in Südafrika nicht einfach. Obwohl nach dem 11. September der Drehort ironischerweise als „sicher“ eingeschätzt wird, ist das Drehen in Südafrika mit einem höheren Sicherheitsaufwand verbunden als an anderen Orten. Lokale sogenannte "production service companies" helfen bei der Betreuung und Organisation eines Film- und Fotoshootings.
Wo das große Geld lockt ...
Für internationalen Produzenten muss sich eine Produktion in Südafrika trotz Fernreisen mit Team rechnen. Bis vor wenigen Jahren galt die Faustregel, dass die Produktion in Südafrika 15-20% günstiger im Vergleich zu Marktpreisen ist und dies nicht zuletzt auf Grund des Währungsgefälles und einem attraktiven Umtauschkurs. Jedoch im „Dschungel der Filmmetropole“ ist für Produzenten Vorsicht geboten: immer wieder ist von überteuerten Leistungen zu hören, wenn die Filmindustrie Angebote einholt. Das Verhalten schadet der gesamten Filmindustrie, denn schnell kursiert die Information in der Branche und der Wirtschaftszweig bröckelt. Immer mehr Kinoproduktionen verschiffen Container mit Equipment lieber aus der Heimat, als auf lokale Anbieter zurückzugreifen. Castingbüros bieten Models zu überteuerten Gagen an, die europäische Preise in den Schatten stellen. Die Cable Car Gesellschaft am Tafelberg schreckt Dokumentarfilmer mit Motivkosten die an Musik Clip Produktionen erinnern ab. Der Gedanke an das schnelle leichte Geld ist allgegenwärtig.
Produzenten setzen daher auf Firmen mit Referenzen und vertrauen Empfehlungen von Branchenkennern. Eine Alternative bieten lokale Produktionsberater, die produktionsbedingt Crews und Zulieferfirmen zusammenstellen. Sie kennen die europäische Mentalität und den Anspruch am Film-Set und bieten unterm Strich auf Grund ihrer Unabhängigkeit die günstigste Produktionsalternative.
Doch der Boom setzt sich fort und im afrikanischen Sommer, wird man auch in Zukunft regelmäßig auf das Schilder treffen -
"filming in progress".
Autor:
Marc Köbler, ist deutscher Filmregisseur der seit mehr als einem Jahrzehnt sowohl in Deutschland als auch in Südafrika lebt und arbeitet. Seine persönlichen Erfahrungen seit dem Wandel in Südafrika und den ersten freien Wahlen, seine kulturellen sowie wirtschaftlichen Kenntnisse des Landes, speziell der Filmbranche, werden regelmäßig von Firmen genutzt , die in Südafrika Film-oder Fotoshootings planen.
Text: Marc Köbler - http://www.koebler.info - e-mail: mail@koebler.info
Fotos: Copyright by Crew 4 You GmbH / Marc Köbler / Johannes Imdahl
Links:
- SITHENGI & CAPE TOWN FILM FESTIVAL
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